Der Weg zum Journalismus

Journalismus? Wie kam es eigentlich dazu?

Eigentlich ist alles ganz banal gestartet und plötzlich komplett anders geendet…

Ich habe zur damaligen Zeit  Französisch, Deutsch und Mathematik auf Lehramt studiert und brauchte noch ein sogenanntes Betriebspraktikum. Da ich bereits zu Internatszeiten eine gute Freundin hatte, deren Eltern beide Journalisten waren, kam ich auf die Idee, dass ein Praktikum in diese Richtung doch ganz nett wäre.

So erkundigte ich mich, wo in der Nähe meines damaligen Freundes, heutigen Ehemannes, eine Redaktion in der Nähe war und machte mich auf, dort einen Termin zu vereinbaren.

Eine Kommillitonin von der Universität meinte noch: „Das wird nie etwas. Die Zeitungen sind immer voll, ein Praktikum dort zu bekommen und auch noch so kurzfristig, ist unmöglich!“

Nun ja, „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, heißt es doch so schön, oder?!

Und so marschierte ich im Februar 2011 zur Main Echo Redaktion in Obernburg und stellte mich beim dortigen Chefredakteur vor. Das Gespräch dauerte nicht allzu lange und schnell war das 5-wöchige Praktikum für die nahenden Semsterferien vereinbart und ich sehr zufrieden.

Das unerwartete Schmankerl oben drauf?!

Kaum war das Praktikum in trockenen Tüchern, fragte mich der Chefredakteur, ob ich nicht gleich auch als freie Mitarbeiterin los legen und für die Tageszeitung berichten möchte. Erstmal völlig perplex und überrascht, willigte ich aber schnellstens ein und kam kurz darauf mit einem Praktikum plus einem neuen aufregenden und abwechslungsreichen Nebenjob erstmal zu meinem Freund nach Hause und wenig später freudestrahlend an die Universität zurück.

Ein Sprung ins kalte Wasser, den ich direkt nach dem Vorstellungsgespräch wagte und der im Endeffekt immer größer werdende Wellen schlug!

So erschien am 15. Februar 2011 unter meinem alten Namen Jennifer Kraus mein erster Artikel über ein Barokkonzert in der Obernburger Ausgabe des Main Echos und ich war völlig überwältigt. Aber auch irgendwie richtig stolz auf mich.

Über 130 Artikel weiter und sechs Jahre später ergab es sich nun am 29. März  2017, dass ich mich als freie Journalistin selbstständig gemacht habe und seitdem noch mehr den Obernburger und Miltenberger Kreis unsicher mache.

Natürlich hatte ich auch schon zwischenzeitlich über ein Volontariat immer wieder einmal nach gedacht. Aber nun wagte ich den Schritt und machte mich innerhalb zweier Wochen selbstständig.

Das erforderte eine ordentliche Portion Mut, große Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und nicht zu verachten genügend Zuversicht und auch Vertrauen in mich selbst. Die Essenz ist und bleibt jedoch auch die Hilfsbereitschaft und Stütze durch die Redaktion. Ohne den konstanten Austausch und Zusammenarbeit wäre ich nicht dort, wo ich heute bin und hätte mir nicht neue Themenfelder und Bereiche erarbeiten können.

Mittlerweile ist ein Jahr vorbei, die Zeit verging wie im Fluge und ich nahm mir mal eine ruhige Minute über meine Entscheidungen und das vergangene Jahr nachzudenken.

Jetzt werden sich wieder Einige fragen: „Klappt das denn als selbstständige freie Journalistin? War das wirklich der richtige Weg?“

Ich kann nur dazu sagen: Ja, es funktionniert. Ich bin selbst überrascht wie gut schon nach erst einem Jahr. Aber gleichzeitig muss ich betonen: „Von nichts, kommt nichts“. Der Sprung ins kalte Wasser war nicht einfach. Die kaufmännische Ausbildung und auch die Bürotätigkeit halfen mir gut die ersten Schritte in Richtung Organisation zu meistern. Aber bis heute heißt es, weiter daran bleiben. Es ist alles Andere als ein stetes und geregeltes Leben. Das muss man lieben und leben. Für mich ist es meine Berufung und Leidenschaft. Ohne diese wäre es aber auf Dauer bestimmt auch schwer. Kein Tag ist wie der davor oder danach. Viele neue Menschen und Situationen kreuzen meinen Weg. Heute bin ich auf einer Gemeinderatssitzung und morgen mitten auf einem Konzert. Feste Arbeitszeiten? „Was ist das?“

Und doch ist es „genau mein Ding“ wie ich es so gerne ganz banal  bezeichne!

Ich bereue definitiv diesen Schritt sowie den langen und auch manchmal steinigen Pfad davor kein bisschen! Denn jede Erfahrung prägt einen Menschen und wer weiß, ob ich direkt nach dem Abitur überhaupt für diese Tätigkeit bereit gewesen wäre. Zudem profitiere ich auch stark von meinen vorherigen Berufswegen und Ausbildungen. Ohne mein Deutschstudium wäre ich nicht zum Praktikum bei einer Zeitung gekommen und ohne die Liebe zu meinem Mann nicht zur regionalen Tageszeitung Main Echo. Mein Mann stand in all den schwierigeren Zeiten voll und ganz hinter mir.  Auch jetzt ist er mein Rückhalt und ich bin sehr froh, ihn an meiner Seite zu wissen. Doch das Schönste im vergangenen aufregenden Jahr war, als er eines Abends zu mir meinte:

„Früher bist du so oft unzufrieden und meckernd nach der Arbeit nach Hause gekommen, jetzt gibt es das nicht mehr und du bist glücklich. Das kannte ich vorher nicht!“

Was kann ich dazu noch sagen? Ich finde besser kann keiner mein jetziges Leben beschreiben. Ich kann nur jeden ermutigen sich die Arbeit zu suchen, die ihn glücklich macht. Egal wie lang und schwierig der Weg dahin ist. Denn dann steckt man auch mal locker stressigere Arbeitszeiten weg und hat wohlmöglich sogar ein Lächeln dabei auf dem Gesicht.

So hat alles seinen Sinn und sind wir mal ehrlich: Wann läuft denn bitte etwas komplett nach Plan?Und wenn es so ist, sind diese Personen dann glücklich? Ich weiß es nicht, ich war es damals nicht.

Bei mir ist eben doch Alles ein klein wenig anders und das ist gut so!

So zierten bis Ende 2017 schließlich 114 und im Jahr 2018 bereits 211 Artikel das Main Echo. 2019 sind es dann 212 Berichte gewesen.

Bis zum Sommer 2017 bewegte ich mich hauptsächlich im Kulturbereich. Die Thematik, in die ich mich sehr gut und schnell, unter anderem Dank meiner musikalischer Vorbildung, einarbeiten und aufblühen konnte. Bis zu meiner Selbstständigkeit als freie Journalistin blieb mir leider keine Zeit mich breiter im journalistischen Bereich aufzustellen.

Dies änderte sich im Sommer 2017. Zu diesem Zeitpunkt durfte ich mit der Übernahme der Gemeinderatssitzungen dreier Gemeinden, genauer Kleinheubach, Rüdenau und Laudenbach, in die Politik einsteigen und mir ein neues Feld erarbeiten. Mittlerweile kam Anfang 2018 auch die Gemeinde Schneeberg hinzu. Außerdem im Herbst 2019 noch die Gemeinde Mömlingen, die ich mir mit einer Kollegin aus der Redaktion teile.

Und so bekam meine eh schon abwechslungsreiche und spannende Arbeit eine neue interessante Nuance und ich die Möglichkeit weiter auf meinem Weg voran zu schreiten.

Eine weitere Leidenschaft und angehendes Standbein ist meine Tätigkeit als Autorin und Schriftstellerin. Hierzu gibt es unter Gedichtbände der Rubrik Kostprobe gefällig? mehr zu lesen.